Freitag, 17. Dezember 2010

Suedkoreanischer Adventskalender Teil 2

Einen wunderschoenen guten Morgen meine Damen und Herren,

es war mir eine Freude und Ehre, Sie mit den Ereignissen, Eskapaden, erschuetternden Einsichten und erstaunlichen Erkenntnissen der Zauberschule West Point unterhalten zu duerfen. Vielen Dank fuer Ihr Interesse an diesem Blog und ich freue mich sehr, in wenigen Tagen mit den VIPs unter Ihnen persoenlich Weihnachten, Xmas, Neujahr und Neujahrswoche feiern zu duerfen!

Da das akademische (alle Abschlusspruefungen geschafft), administrative (Computer, Telefon, Stube abgeben) und (jahaa!) das herbstliche Ende naht, sollen in diesem letzten offiziellen Eintrag ein paar Bilder mit weniger als 1000 Worten mehr als 1000 Worte sprechen:

13. Dezember: Weihnachtsfeier bei Oberstleutnant DJ, Stimmung + Deko wie in Las Vegas 













14. Dezember: Halboffizielle Befoerderung der Kameraden Leutnante (alter Ausbildungsgang) zum Mittel-Leutnant, da das Personalamt der Bundeswehr die Urkunden fuer die Befoerderung zum Oberleutnant verbuerokratisiert hat


15. Dezember: Es brennt es brennt, (k)ein Lichlein (sondern ein Segelschiff, das die US Navy symbolisiert, die beim Army-Navy-Footballspiel in Philadelphia geschlagen werden sollte) brennt




16. Dezember: Bei 2 Wochen Abschlusspruefungen braucht man einfach mal soldatisch grundfertige Abwechslung


















17. Dezember: Das Kommando-Cockpit des "Future Warfare Departments" der Forschungseinrichtung des US Verteidigungsministeriums fuer Robotik und kuenstliche Intelligenz-gestuetzte Waffensysteme fuegt sich harmonisch in die zurueckhaltende Weihnachtsdeko des Departments ein



18. Dezember: Die heiligen Hallen des Sylvanus "Slytherin" Thayer ("Slayer") Imperiums - hier werden Empfaenge und zwielichtige Geschaefte zwischen hochrangigen Militaers,  Politikern und republikanischen Vampiren abgehalten





















19. Dezember: Die stolzen Ueberreste der Kadetten, die im Fruehjahr 2010 an der Helmut-Schmidt-Universitaet zu Besuch waren und einen letzten deutsch-amerikanischen Abend zelebrieren

20. Dezember: Der Personalmanagement-Dozent Major D. und seine deutschen Assistenten froh und gluecklich ueber den Abschluss des Semesters vor dem falschen Fakultaets-Emblem



21. Dezember: Der Kurs "Militaersysteme im Vergleich" und die Repraesentanten des internationalen Triumvirats (US, DEU, OESTERREICH) zur Generalmobilmachung des Reserve-Astronauten-Korps "Nebelkraehe"


    
Sehr geehrte Damen und Herren, ich wuensche Ihnen eine gesegnete, angenehme Weihnachtszeit, frohe Festtage, erholsame Tage zwischen Weihnachten und Neujahr und ein erfolgreiches und spannendes Jahr 2011!

Harry Potter, Sylvanus "Slytherin" Thayer, die Central Intelligence Agency, das US Department of Defense, die United States Military Academy und die Hogwarts Schule fuer Hexerei und Zauberei senden ihre besten Gruesse und wuenschen Ihnen und Ihren Lieben ein zauberhaftes Jahr 2011!  

Samstag, 11. Dezember 2010

Nordkoreanischer Adventskalender Teil 1

Guten Abend meine Damen und Herren,

und einen angenehmen, besinnlich-besonderen 3. Advent Ihnen allen!

Es ist mir eine Ehre, Ihnen den "West Point - Hogwarts - Adventskalender" vorzustellen, welcher - eine Woche bevor das Semester an dieser Zauberschule zu Ende geht- die Fuelle an Ueberraschungen, Verdrehtheiten, denk- und merkwuerdigen Ereignissen und eine Prise Narretei darstellt, die sich hier in der so schnell vorbeigaloppierenden letzten Zeit zugetragen haben.
(Bestellungen richten Sie bitte an: Knecht Ruprecht Inc., 312 Rockefeller Plaza, New York City, NY, USA, 39,99 $ UVP per Paypal / Money Order oder Internationaler Ueberweisung. Wenn Sie in den naechsten 20 Minuten bestellen, erhalten Sie 2 "Rudolph the Rednose-Reindeer's Nasenwaermer" fuer sich und Ihre Lieben GRATIS dazu!)

1. Dezember: Nordkorea und Suedkorea beschiessen (man tausche "i" und "e" aus, um die diplomatisch korrekte Schreibweise zu erhalten) sich gegenseitig mit Artillerie, beschuldigen den jeweils anderen und benehmen sich auch sonst voellig daneben (4 Tote, 8 Verletzte, brennende Doerfer). Es wird Zeit, dass Advent, Weihnachten und kapitalistisch-konsumgesellschaftliche Besinnlichkeit auch in Asien Einzug halten. Bedenken ueber den sachgerechten Verkauf biblischer Grundlagen, Jesus-Baby-Figuren und Lebkuchen richten Sie am besten an den Vatikan, "Toys R Us" und "Nestle, Corp.".







2. Dezember: China infiltriert, ueberholt und lacht ueber die USA, indem es a) den schnellsten Supercomputer der Welt an's Netz bringt    b) den schnellsten Zug der Welt zwischen Peking und Shanghai hechten laesst --> mit 486 km/h ist der CRH380A genau das Richtige, um Last-Minute-Weihnachtseinkaeufe zu erledigen   c) von den von "Wikileaks" enthuellten Aussenministerium-Depeschen und -telegrammen der USA kaum betroffen ist und lediglich "zugeben" musste, dass es die Nase voll von Nordkorea's internationalem Umhergehampel hat

3. Dezember: Das glorreiche Vermaechtnis der Firma "SEGA" wird - China sei Dank - von emsigen chinesischen Fabrikarbeitern am Leben erhalten, denn in ihren 16 Stunden Schichten mit 66 Cent Stundenlohn produzieren sie Schmuckstuecke wie den "SEGA Retrogen" und den "SEGA Gopher" (= Erdmaennchen :) die fuer US/ EU Spottpreise die guten alten Zeiten der Videospielgeschichte wieder auferstehen lassen.


4. Dezember: "2001: A Space Odyssey" gewinnt den West Point Ehren-Oscar als bester Vorweihnachtsfilm. Schmiergeld um die Preisrichter zu bestechen: 20 $ in Bierwasser. "Moetley Crue"-Rockstar Kostuem um  den 41 Jahre alten, immer noch bahnbrechenden Sci-Fi-Urvater standesgemaess zu bewundern: 30 $. Sein "Social and Historical Sciences Department" Paper von 22 Seiten in eben diesem Kostuem mit circa 200 Gleichgesinnten in einer herrlich sinnfreien, verspaeteten Faschingsparade beim Dekan von West Point einzureichen: PRICELESS!








5. Dezember: "TEE Enterprises" wird von den US Unternehmern Todd Miller und Erik Hoempler sowie dem deutschen "18-Wheels-and-bigger-Truck-Accident-Attorney" Erik Steffen gegruendet und geht mit 655 Mitarbeitern und 1.400.000 $ Startkapital an die Boerse. Die Personalmanagement-Simulation, welche uns die Firma gruenden laesst, ist Teil unseres Human Resource Management Kurses und laesst 20 Teams ueber die naechsten Wochen gegeneinander antreten, Personalentscheidungen treffen, Geld veruntreuen und Mitarbeiter umsorgen, ausbeuten und sogar zu sittenwidrigen Gegenleistungen fuer Gehaltserhoehungen auffordern.




6. Dezember: Der Nikolaus wird in den USA leider immer unpopulaerer, wie neueste Studien zeigen. Weit abgeschlagen auf dem 4. Platz aller Festtagspersoenlichkeiten (nach Weihnachtsmann, Rudolph the Rednose Reindeer und Bruce Willis), muss sich "Saint Nic", wie er in den USA genannt wird, der immer groesser werdenen Masse an Schuhputz-faulen Kindern erwehren. Oberstleutnant DJ gedenkt dem Nikolaus, indem er die deutschen und oesterreichischen Austauschleutnante waehrend ihrer woechentlichen Konferenz mit einem Bundeswehr-Kampfstiefel um Naschkram und Lebkuchen wuerfeln laesst.



7. Dezember: Disziplinarverfahren um 5 Uhr morgens sind unweihnachtlich genug. Wenn jedoch Mitglieder meiner Gruppe zum wiederholten Mal die diszi-Rute zu spueren bekommen, muss, Wortlaut Kompanie-Chef, hart durchgegriffen werden. Zusaetzlich zu ihren 15 Stunden Straf-Exerzieren am Wochenende mussten die 2 schulschwaenzenden Schlingel ihren Gruppenfuehrer 24 Stunden lang begleiten, um zu sehen "wie ein harter Schultag aussieht!...und schwaenzen kann der Deutsche auch nicht, also nehmt euch ein Beispiel!" (Zitat Chef). Das Ergebnis dieser arbeitsgemeinschaftlichen Menage-a-trois bestand in einem ueberfuellten Psychologie-Dozenten-Buero, in welchem wir ein Briefing zur klinischen Psychologie von Mortalitaetsakzeptanz zu geben hatten, der diplomatischen Konfliktloesung zwischen einem Eichhoernchen und einer Kraehe, die sich auf dem Parkplatz des lokalen Supermarkts -ganz unweihnachtlich und dafuer nord-suedkoreanisch- zu zerfleischen drohten und einer blitzblanken Gruppenfuehrer-Stube, die fuer den letzten Stubendurchgang der Brigade knapp 5 Stunden gewienert wurde.

8. Dezember: Der Brigadenstubendurchgang beginnt um 6 Uhr morgens, um 9 Uhr erscheint der Kommandeur, sagt kein Wort und geht wieder, um 10 Uhr wird der Stubendurchgang fuer beendet und in der Kompanie als bestanden erklaert und 95% aller Beteiligten legen sich froh und besinnlich bis nachmittags schlafen. Ganz im Stile der "Weihnachtsgeschichte" spukt es durch den wohlverdienten Schlaf von einem Stubenkameraden meiner Stube: Rob schlafwandelt bemerkenswert lautlos durch den Raum und wieder bis vor das Buecherregal, allerdings schreckt er Colin und mich ernsthaft auf, als er anfaengt "All the leaves are brown" von den "Mamas and Papas" in das Regal zu singen.

Der Song erinnert mich an das wirklich schoene Thanksgiving, dass ich dieses Jahr mit Kadett Jason und seiner Family in New Jersey hatte: Nach einem angeblich verkuerzten Schultag, der uns einfach nur frueher (6.20 Uhr) in den Unterricht jagte, nahm uns Jason's Dad in das "Dirty-Dancing-Anwesen" mit, in dem wir bereits das "Kolumbus Wochendende" verbracht hatten. Bei - 5 Grad war es zwar recht kalt, sich ein Thanksgiving Highschool Footballspiel bei Nacht reinzuziehen, aber in irischen Bars in Easton, Pennsylvania und einer Karaoke-Trucker-Kneipe am Strassenrand wurde der Festtagsgesellschaft wieder Leben und Bierwasser eingehaucht. Waehrend wir am Abend vor Thanksgiving in der Lkw-Fahrer-Kaschemme "All the Leaves are brown" groehlten, wurde der Polizeichef von Easton von seinen Kollegen erwischt, wie er am selben Abend (nach unseren Erkenntnissen auf einem anderen Parkplatz) mit einem Lkw-Fahrer in dessen Kabine sein ganz eigenes Thanksgiving feierte.
Unser Thanksgiving wurde da traditioneller zelebriert: Mit Truthahn-Dinner, Ommas, Onkeln und Jason's Familie und dem ersten Schnee dieses Winters.



9. Dezember: Das lange Thanksgiving-Wochenende wurde durch einen hoechst lehrreichen Trip nach Philadelphia abgerundet, der sich mit allen Hurra-Patriotischen Wassern (aus Delaware und Potomac River) gewaschen hatte. Jason's Dad als alter Boyscout-Praesident fuehrte durch die US Revolutionsgeschichte, den ehemaligen Senat und Kongress der ehemaligen Hauptstadt der USA (jahaa, Philadelphia war's!), durch das beschauliche Haus der beruehmtesten Schneiderin der USA, Betty Ross, die die US Flagge entwarf und Benjamin Franklin's Jugendhaus, Buchladen, Baeckereien und Hotels.


Zitat Touristenfuehrer: "Der gute alte Ben war der PIMP von Philly!". Im US Museum fuer den amerikanischen Soldaten, der schnarchlangweiligen Muenzpraegerei und vor der "Liberty Bell", der alten Glocke des alten Rathauses von Philadelphia, wird dem geneigten Besucher erst bewusst, wie facettenreich und (geschichtlich und kapitalistisch) ertragsreich die Fruehgeschichte der USA ist.














10. Dezember: Dr. Jason Yin von der Harvard Business School besucht unseren Personalmanagement Kurs und erzaehlt auf sehr nette und freundlich-bescheidene Art, wie China sein unglaubliches Wirtschaftswachstum, demografischen und technologischen Wandel und nach und nach die Weltherrschaft angeht. So wohltemperiert und diplomatisch, wie Dr. Yin den entsetzten Amis die naechsten 20 Jahre und ihren Absturz als Weltmacht erklaert, kann man ihm doch nicht boese sein.

















11. Dezember: Micha, Robin und ich haben das Glueck, als 3 von 8 deutschen Austauschstudenten die sagenumwobene "Elephant Bar" in den Tiefen des Staates New York besuchen zu duerfen. Ein unterhaltsames Duo von Obersten sprach uns Mittags an, ob wir deutsch seien und waren so erfreut darueber, dass wir's sind, dass sie uns in das beste Steakhouse der US Ostkueste mitnahmen. Mit 600 Gramm zartschmelzendem Filet-Steak, das sich bereits aus Angst von selbst im Mund zerlegte, unglaublich geschmacksintensiven Gewuerzgurken und zahntriefendem Brownie-Kuchen-Eis auf's Haus plauderten wir ueber die Entwicklungen im US und DEU Militaer, die Dringlichkeit asiatischer Weihnachten und die Memoiren der Obersten an ihre Einsaetze in Deutschland, Afghanistan und im Irak.

         


12. Dezember: Weihnachtsshopping in New York City+Oesterreichische Austauschleutnante= 9 Stunden-Einkaufstour durch das voellig ueberfuellte, kalte, verrueckte, wunderschoene, laute, geruchsintensive und Weihnachtsmusik-per-Gesetz (! Ab 26.11. sind alle Geschaefte und oeffentlichen Einrichtungen verpflichtet, Weihnachtslieder zu spielen!)-spielende New York. Der Tannenbaum der Rockefellers wird pro Tag von circa. 60.000 Besuchern bestaunt, Hotels und Jugendherbergen sind hoffnungslos ueberfuellt und das "Vanderbilt YMCA" ist eine muchtige Absteige mit unfreundlich-gestresstem Personal, das wahrscheinlich nur nordkoreanische Weihnachten feiert. Essen, Taxis, Touristen-Shops und Shows sind dafuer erstaunlich preiswert und lustig und machen Joint-Venture Hostels der "Village People" und reicher hollaendischer Immigranten (Vanderbilt YMCA) wieder wett :)


Meine Damen und Herren, ich wuensche Ihnen eine frohe zweite Adventshaelfte, lassen Sie es sich gut gehen und HO-HO-HO-lido aus der Weihnachtszauberschule! 

Montag, 22. November 2010

Bierwasser, Hahnenkaempfe und Nussknacker

Einen wunderschoenen guten Nachmittag meine Damen und Herren,

nach drei weiteren Wochen strammer Zauberei, Carpal-Tunnel-Syndrom-foerdernder Schreiberei und etwas militantem Studieren zwischendurch, schickt sich der November an, brav mit dem laengsten Wochenende des Jahres zu enden: Am 24.11. ist Thanksgiving, das Truthahn-traditionelle und von Voellerei und Shopping gepraegte US-Erntedankfest, dass bis zu den ersten Pilgern, Pocahontas und Pockendecken (um die Indianer schoen warm mit fiesen Krankheiten einzudecken und sich ihr Land und ihre Truthaehne zu krallen) zurueck reicht.

Gespickt mit einem frischen Aufgebot an Paraden, Hausaufgaben und Praesentationen naeherte sich der Oktober mit grossen Lachern, bereitgestellt von Vollzeit-Comedians wie Jim Gaffigan und Halbzeit-Komikern wie unserem Human Resource Management Dozenten ("Im Vorstellungsgespraech mit Stuehlen zu werfen ist ein Zeichen gesunder Motivation!"), dem wohlverdienten Ende. So wurde etwa ein 4. "Alkohol ist schlecht fuer Euch" Briefing unserer uebergeordneten Fuehrung am Mittag brav abgenickt, um dann des abends mit amerikanischem Bier-Wasser (bin ich froh, dass ich nur Milch mit Honig trinke!) verdaut und des Nachts (nach zu viel schlechtem Wasser im Bier...) von den besonders Aufmerksamen noch einmal ueber diversen sanitaeren Einrichtungen und leider auch unserem Fussboden rekapituliert zu werden.

Aehnlich spassig gestaltet sich der Umgang zahlreicher West Point Kadetten mit dem ach so grausigen Thema der Homosexualitaet- im allgemeinen und noch viiieeel schlimmer in den Streitkraeften: Einerseits wird nach Herzenslust gegen die "widernatuerlichen" Kameraden gewettert, die "die Moral der Truppe senken" und das Gemeinschaftsduschen...-aeh, Gemeinschaftsleben beeintraechtigen sollen, andererseits habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht so ein vertatschtes Korps wie hier erlebt! Es ist mir schleierhaft, wie das US Militaer mit der "Don't ask, don't tell" (nicht fragen, nicht sagen, ob/dass man im anderen Team spielt) Politik, die kuerzlich unter viel Brimborium FAST abgeschafft/ausgesetzt werden sollte, West Point Kadetten heranzuechtet, die sich auffallend oft, seltsam unbekuemmert und mit frivoler Aufdringlichkeit gegenseitig in Duschen mit nassen Handtuechern und in Formationen oder aus Spass auf die Kehrseite klatschen und den armen UvD (Unteroffizier vom Dienst, der den Nachtwaechter fuer die Kompanie spielen muss und nachts von Stube zu Stube geht, um zu kontrollieren, ob alle 19-26 jaehrigen Soldaten auch keinen Unfug machen...) mit baumelnden Lachsen ueberraschen.
Die interkulturell interessierten deutschen und oesterreichischen Austauschleutnante haben bis heute leider keine bessere Erklaerung fuer diese recht eigenartigen Verhaltensmuster bekommen koennen, als dass "sowas doch lustig ist und zeigt, dass man ein wahrer Kerl ist, der kein Problem mit seiner Sexualitaet hat"... Trotz all dem sind wir hoffnungsvoll, dass die West Point Kadetten in Zukunft etwas weniger Probleme mit der Sexualitaet anderer Menschen/Kameraden und dafuer etwas mehr Zeit zum Reflektieren ihrer eigenen haben...

Wrestling Matches, Kompanie- und Battallionswettkaempfe im Basketball, Handball, Football und Frisbee(!) unterhielten in der letzten Oktoberwoche Kadetten, Dozenten und Offiziere und unser zusammengewuerfeltes Wrestling Team aus 2 Profis und 8 Anfaengern hatte viel Spass, das bis dato ungeschlagene West Point All Star Team werfend, wuergend und windend zu besiegen.

Da Halloween am Sonntag, den 31. Oktober stattfand, wurde bereits am Donnerstag davor ein gruselig-gutes Halloween-Dinner mit Kostuemen, Geisterhaeusern, Nachtwanderungen und grausamen Vorkommnissen (wir erfuhren, dass wir noch Zusatzhausaufgaben einzureichen hatten) veranstaltet.


Netterweise bestand meine Zusatzaufgabe darin, 25 mueden Erstklaesslern einen vom Wolf und interkulturellem Austausch, Kompetenz und Optmimierungsverfahren in sozialer Interaktion zu erzaehlen. Waehrend sich die "Kleinen" tapfer wach hielten, ueberwachten einige wildfremde Captains die Veranstaltung mit Habichtsaugen, nur um am Ende in perfektem Deutsch froehlich zum Lunch einzuladen und ueber Menschenfuehrung im Einsatz zu berichten.

Eine weitere Parade, ein Footballspiel und internationale Deutsch-Aficionados vom alten Oberst aus der Steiermark bis hin zum 10. Klaessler der lokalen Highschool liessen das Halloween-Wochenende wie Graf Dracula im Flug vergehen und die neue Woche wurde in bester West Point Tradition dem ewigen Kampf der zwei groessten Streitkraefte auf amerikanischem Boden gewidmet- die US Army und die US Air Force durften fuer 7 Tage gegeneinander im Sport, im Unterricht, in Debatten und beim Karaoke antreten und einmal mehr vergleichen, wer die besten Kadetten im US Militaer ausbildet.

Auf den vor Arbeit krummen Ruecken der armen Erstklaessler wurden Wasserpistolen-Kriege gegen zahlenmaessig (fast) ebenbuertige, aber professionell hoffnungslos durchnaesste Moechtegern-Piloten gefuehrt, es wurden Stolperfallen, Hinterhalte ("Kein Fruehstueck fuer euch, Air Force Heinis!" und der Schluessel zu der Stube in die man sie im 6.  Stock gepfercht hatte, wurde erst nach zaehen Verhandlungen an den wachhabenden Offizier herausgegeben) und Rekorde (Army: 178 Liegestuetze, 96 Klimmzuege / Air Force 27 Kadetten zu spaet im Unterricht, 13 "verloren" ihre Uniform und "fanden" sie erst zur Abreise wieder) vorgelegt.
In einer Zusatz-Schicht als Kompanie-Nachtwaechter durfte ich das volle (sprich: Auch das inoffizielle) Ausmass des Titanen-Hahnenkampfes zwischen Army und Air Force erleben, doch trotz einiger derber Faxen kam niemand ernsthaft zu Schaden und nur ein grummeliger Major der aussah wie Eddie Murphy, aber nicht mal halb so lustig drauf war, stoerte den Austausch teilstreitkraftuebergreifender Kameradschaft eines Abends und griff sich den erstbesten Kameraden, den er erwischen konnte. Als sich herausstellte, dass dieser Kamerad in seiner Nachtwaechter-Funktion schlicht "Gute Nacht" zu einer Gruppe froehlicher Army Kadetten und einem nicht gar so frohen Air Force Kadetten sagte, aus Deutschland kam und gar kein Kadett mehr war, erlaubte sich Major Eddie den Spass, mich nachts um 1 Uhr in sein Buero zu geleiten und meinen Kompanie-Chef aus dem Bett zu klingeln, "um mich zu belehren, dass ich ungemaesses Verhalten zu melden habe". Meine Beurteilung der Lage und mein Verstaendnis von Kameradschaft wurden netterweise vom Kompanie-Chef geteilt und so durfte ich mich schliesslich trollen, um doch noch eine Muetze voll Schlaf zu kriegen.

Die 3 Stunden Schlaf, die noch uebrig waren, halfen erstaunlich gut, eine weitere Runde Klausuren und ein "Verhandlungs-Training" mit Harvard Professoren und Organ-Prothesen-Vertretern aus Boston zu geniessen. Abends standen dann die Finals der Army/Air Force Sportwettkaempfe an und obwohl West Point sein Moeglichstes tat, die Ami-Luftwaffe zu piesacken und zu schlagen, gewannen die Air Force Luemmel alle wichtigen Sport Events, waehrend Army im Tischtennis, Judo und Schach gewann... : )
Im Kadetten-Club bei Tacos, Tortilla-Chips und Bierwasser/Milch mit Honig liessen es sich schliesslich alle Kadetten, ob Army oder Air Force, gut gehen und die Abschlussklaessler freuten sich auf ihre anstehende "Branch Night".

"Branch Night" in West Point bedeutet fuer die Kadetten der Abschlussklasse, dass sie nach 3 1/2 Jahren Warterei und ohne Truppengattung endlich erfahren, was fuer eine Truppengattung sie denn nun fuer ihre "wirkliche" Army Zeit haben werden. In Abhaengigkeit von Studiennoten, Papi's Beziehungen zu anderen hochrangigen Offizieren und etwas Glueck, hofften 1100 Kadetten am 7.11.2010, dass sie ihre 1.,2. oder wenigstens 3. Wahl von 16 moeglichen Truppengattungen wie Infantrie, Panzertruppe, Artillery, Pioniere, Fernmelder, Militaerpolizei, Militaer-Geheimdienst usw. zugeteilt bekommen. Unter vorfreudigen "USA, USA, USA!!!" Rufen und erneut beeindruckend Hurra-patriotischen Fest-Reden wurden kleine Briefumschlaege an die Kadetten im riesigen Festsahl der Grand Hall ausgehaendigt und nach dem gefuehlt laengsten Gebet West Points brachen die Kadetten gleichmaessig verteilt in Jubel, Traenen oder Schimpftiraden aus.

Bei der anschliessenden "Branch-Party" wurde es zunehmend egal, ob jemand in die so sehr erhoffte "Infantrie" oder in die so oede wie schlecht dargestellte "Logistik-Truppe" kam, die Kadetten bekamen Hot Dogs, Baseball-Muetzen, T-Shirts und Action-Figuren ("G.I. Joe" Kaempfer-Maennchen fuer die harten Infanteristen) in die Hand gedrueckt und rueckten Freude als auch Verstimmung mit Bierwasser zu Leibe. Die "Branch Night" endete schliesslich mit 90% der Kadetten froh und mittelpraechtig blutend, weil sie sich ihre Truppengattungs-Embleme in Form von Ansteck-Pins aus alter, offiziell verbotener, inoffziell sogar bei den Logistikern geforderter, Tradition nicht AN sondern DURCH ihre Uniform und in ihr Fleisch pinnen. Obwohl diese Praxis das Gefummel mit den Ansteckmuttern erspart, saut es selbst die widerstandsfaehigen grauen West Point Uniformen erheblich ein und sorgt fuer leichte Behinderungen bis hin zu Blutvergiftungen, die alljaehrlich und routinemaessig in der West Point Kadettenklinik im Akkord behandelt werden.
Der November rauschte mit weiteren Disziplinarverfahren fuer alle moeglichen und teils unmoeglichen West Point Kadetten vorbei (  a) wer rennt denn bitte voellig nackt um Mitternacht ueber den Exerzierplatz und groehlt wie am Spiess? b) wer laesst sich dabei auch noch erwischen?!), liess unser Kompanie-Wrestling-Team den 3. Platz in den Brigademeisterschaften verpassen, aber die Saison und ihr Finale geniessen und wurde durch eine Flut zu schreibender Hausarbeiten zusaetzlich beschleunigt. Zwischen hochpolitischen Themen zum Regimewechsel in Nord Korea und dem immer schnelleren Abdriften von internationalen und US Sicherheitsbestimmungen in Gebiete, die vor 10 Jahren noch Visionen wie "1984" und "Brave New World" oder "Matrix" vorbehalten waren, sorgte das russische Staatsballet mit der Auffuehrung des "Nussknackerprinzen" fuer vorweihnachtliche Entspannung und beeindruckte Gesichter. (nur unser kirgisischer Kamerad, der das Original in Moskau gesehen hat, meinte, dass die West Point Auffuehrung hoechstens drittklassig war : )

Die Kadetten verschafften sich ihre eigene kulturelle Abwechslung, indem sie amerikanische Hochkultur pflegten und sich ganz im Sinne der 80er/90er Jahre Game-Show "American Gladiators" in Football-Montur und Halloween-Kostuemen mit riesigen Zahnstochern auf die von Hausarbeiten abgehaerteten Rueben knueppelten. In logischer Fortfuehrung des US Kulturprogramms wurden einige Kampfsport-Freunde unserer Kompanie am letzten Sonntag schliesslich von unserem Kompanie-Chef in sein absolut stereotypisches Ami-Vorstadt-Haus in der absolut stereotypischen Vorstadt-Nachbarschaft von West Point eingeladen, um gar nicht stereotypisch von ihm und seiner italienischen Frau bekocht zu werden und uns "UFC 122", "Kaempfer im Kaefig" aus Deutschland 'reinzuziehen.

Ladies und Gentlemen, ich freue mich, Ihnen beim naechsten Mal ueber die Infiltration der USA durch die Volksrepublik China, das glorreiche Vermaechtnis der Firma "SEGA" und ueber das bevorstehende Thanksgiving-Erntedankfest vortragen zu duerfen und wuensche Ihnen eine angenehme Woche und Holido!