nach drei weiteren Wochen strammer Zauberei, Carpal-Tunnel-Syndrom-foerdernder Schreiberei und etwas militantem Studieren zwischendurch, schickt sich der November an, brav mit dem laengsten Wochenende des Jahres zu enden: Am 24.11. ist Thanksgiving, das Truthahn-traditionelle und von Voellerei und Shopping gepraegte US-Erntedankfest, dass bis zu den ersten Pilgern, Pocahontas und Pockendecken (um die Indianer schoen warm mit fiesen Krankheiten einzudecken und sich ihr Land und ihre Truthaehne zu krallen) zurueck reicht.
Wrestling Matches, Kompanie- und Battallionswettkaempfe im Basketball, Handball, Football und Frisbee(!) unterhielten in der letzten Oktoberwoche Kadetten, Dozenten und Offiziere und unser zusammengewuerfeltes Wrestling Team aus 2 Profis und 8 Anfaengern hatte viel Spass, das bis dato ungeschlagene West Point All Star Team werfend, wuergend und windend zu besiegen.
Da Halloween am Sonntag, den 31. Oktober stattfand, wurde bereits am Donnerstag davor ein gruselig-gutes Halloween-Dinner mit Kostuemen, Geisterhaeusern, Nachtwanderungen und grausamen Vorkommnissen (wir erfuhren, dass wir noch Zusatzhausaufgaben einzureichen hatten) veranstaltet.
Netterweise bestand meine Zusatzaufgabe darin, 25 mueden Erstklaesslern einen vom Wolf und interkulturellem Austausch, Kompetenz und Optmimierungsverfahren in sozialer Interaktion zu erzaehlen. Waehrend sich die "Kleinen" tapfer wach hielten, ueberwachten einige wildfremde Captains die Veranstaltung mit Habichtsaugen, nur um am Ende in perfektem Deutsch froehlich zum Lunch einzuladen und ueber Menschenfuehrung im Einsatz zu berichten.
Eine weitere Parade, ein Footballspiel und internationale Deutsch-Aficionados vom alten Oberst aus der Steiermark bis hin zum 10. Klaessler der lokalen Highschool liessen das Halloween-Wochenende wie Graf Dracula im Flug vergehen und die neue Woche wurde in bester West Point Tradition dem ewigen Kampf der zwei groessten Streitkraefte auf amerikanischem Boden gewidmet- die US Army und die US Air Force durften fuer 7 Tage gegeneinander im Sport, im Unterricht, in Debatten und beim Karaoke antreten und einmal mehr vergleichen, wer die besten Kadetten im US Militaer ausbildet.
Die 3 Stunden Schlaf, die noch uebrig waren, halfen erstaunlich gut, eine weitere Runde Klausuren und ein "Verhandlungs-Training" mit Harvard Professoren und Organ-Prothesen-Vertretern aus Boston zu geniessen. Abends standen dann die Finals der Army/Air Force Sportwettkaempfe an und obwohl West Point sein Moeglichstes tat, die Ami-Luftwaffe zu piesacken und zu schlagen, gewannen die Air Force Luemmel alle wichtigen Sport Events, waehrend Army im Tischtennis, Judo und Schach gewann... : )
Im Kadetten-Club bei Tacos, Tortilla-Chips und Bierwasser/Milch mit Honig liessen es sich schliesslich alle Kadetten, ob Army oder Air Force, gut gehen und die Abschlussklaessler freuten sich auf ihre anstehende "Branch Night".
"Branch Night" in West Point bedeutet fuer die Kadetten der Abschlussklasse, dass sie nach 3 1/2 Jahren Warterei und ohne Truppengattung endlich erfahren, was fuer eine Truppengattung sie denn nun fuer ihre "wirkliche" Army Zeit haben werden. In Abhaengigkeit von Studiennoten, Papi's Beziehungen zu anderen hochrangigen Offizieren und etwas Glueck, hofften 1100 Kadetten am 7.11.2010, dass sie ihre 1.,2. oder wenigstens 3. Wahl von 16 moeglichen Truppengattungen wie Infantrie, Panzertruppe, Artillery, Pioniere, Fernmelder, Militaerpolizei, Militaer-Geheimdienst usw. zugeteilt bekommen. Unter vorfreudigen "USA, USA, USA!!!" Rufen und erneut beeindruckend Hurra-patriotischen Fest-Reden wurden kleine Briefumschlaege an die Kadetten im riesigen Festsahl der Grand Hall ausgehaendigt und nach dem gefuehlt laengsten Gebet West Points brachen die Kadetten gleichmaessig verteilt in Jubel, Traenen oder Schimpftiraden aus.
Der November rauschte mit weiteren Disziplinarverfahren fuer alle moeglichen und teils unmoeglichen West Point Kadetten vorbei ( a) wer rennt denn bitte voellig nackt um Mitternacht ueber den Exerzierplatz und groehlt wie am Spiess? b) wer laesst sich dabei auch noch erwischen?!), liess unser Kompanie-Wrestling-Team den 3. Platz in den Brigademeisterschaften verpassen, aber die Saison und ihr Finale geniessen und wurde durch eine Flut zu schreibender Hausarbeiten zusaetzlich beschleunigt. Zwischen hochpolitischen Themen zum Regimewechsel in Nord Korea und dem immer schnelleren Abdriften von internationalen und US Sicherheitsbestimmungen in Gebiete, die vor 10 Jahren noch Visionen wie "1984" und "Brave New World" oder "Matrix" vorbehalten waren, sorgte das russische Staatsballet mit der Auffuehrung des "Nussknackerprinzen" fuer vorweihnachtliche Entspannung und beeindruckte Gesichter. (nur unser kirgisischer Kamerad, der das Original in Moskau gesehen hat, meinte, dass die West Point Auffuehrung hoechstens drittklassig war : )
Die Kadetten verschafften sich ihre eigene kulturelle Abwechslung, indem sie amerikanische Hochkultur pflegten und sich ganz im Sinne der 80er/90er Jahre Game-Show "American Gladiators" in Football-Montur und Halloween-Kostuemen mit riesigen Zahnstochern auf die von Hausarbeiten abgehaerteten Rueben knueppelten. In logischer Fortfuehrung des US Kulturprogramms wurden einige Kampfsport-Freunde unserer Kompanie am letzten Sonntag schliesslich von unserem Kompanie-Chef in sein absolut stereotypisches Ami-Vorstadt-Haus in der absolut stereotypischen Vorstadt-Nachbarschaft von West Point eingeladen, um gar nicht stereotypisch von ihm und seiner italienischen Frau bekocht zu werden und uns "UFC 122", "Kaempfer im Kaefig" aus Deutschland 'reinzuziehen.
Ladies und Gentlemen, ich freue mich, Ihnen beim naechsten Mal ueber die Infiltration der USA durch die Volksrepublik China, das glorreiche Vermaechtnis der Firma "SEGA" und ueber das bevorstehende Thanksgiving-Erntedankfest vortragen zu duerfen und wuensche Ihnen eine angenehme Woche und Holido!