Guten Nachmittag meine Damen und Herren,
wie geht es Ihnen an diesem Freitag? Laune gut, Wetter gut, alles gut? Wenn das der Fall ist, willkommen im "Club der Wetter-Psychologen", einem Ableger des experimentellen Sozialpsychologie-Kurses, der sich mit den psychologischen Potentialen von Klima und Geographie befasst.
Wenn die sommerlichen Temperaturen besonders hoch und der Gehalt akademischer Vorbereitungen besonders niedrig ist, empfiehlen die Kadetten in West Point sich zwei Kuehlschraenke zusammenzuorganisieren. Mit ein bisschen MacGuyver-Spirit und einer Stromrechnung die eh' auf's Haus geht, kann man es sich zwischen zwei offenen und auf "Tief-Frost" gestellten Kuehlmonstern gemuetlich machen ohne sich etwas dabei denken zu muessen. Trotz soviel beeindruckender Zweckentfremdung und Dreistigkeit bleibt abzuwarten, ob die armen Kuehlschraenke eines Tages wieder ihrer uspruenglichen Bestimmung zugefuehrt werden.
Der 11.9.2010 wurde mit allen militaerischen und amerikanischen Wuerdigungen begangen und fing damit an, dass wir eine Gedenkparade vor 10.000 Zuschauern veranstalteten, bei der viel marschiert, schneidig schief gesungen und ueberhaupt nicht gesprochen wurde. Im Anschluss wuchs die Zahl der Besucher auf 30.000 an, denn das West Point Football Team empfing das Hawaiianische Football Team zum ersten Spiel der Saison im eigenen Stadion. Waehrend die Sonne und unzaehlige Kanonenboeller knallten (jedesmal, wenn das Army Team was Dolles gerissen hat, wurden zwei Geschuetze abgefeuert), Fallschirmspringer im Stadion landeten, ein Rentner im Torwand-Werfen einen Jeep gewann, Cheerleader und Maskottchen um die Wette huepften und alles wie am Spiess groehlte, schaffte es unser Team die Niederlage aus den Klauen des Sieges zu mopsen. Mit 28-31 verlor das West Point Team in der letzten Minute, was zu kurzzeitig betretenen Gesichtern (West Point) und dem weltberuehmten Kriegstanz des hawaiianischen Teams fuehrte.
Als letzte Woche der franzoesische Colonel Yves (Rocher!) seine Gastlesung ueber das franzoesische Militaer und dessen Sicherheits- und Verteidungsstrategie-Netzwerk hielt und als der alte US General McCaffrey uns ueber die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der USA aufklaerte, wurde uns versichert, dass bis zum Jahr 2014 keine reale terroristische Bedrohung mehr fuer die Welt bestehen sollte. Unter viel Hurra-Patriotismus und mit sicherlich teils gerechtfertigter, teils beaengstigend absoluter Ueberzeugung, wurden die Kadetten auf ihre Kriegseinsaetze eingeschworen. Mitunter wurden sogar die Rechtfertigungen fuer die Afghanistan und Irak-Operationen hinterfragt, doch entweder konterte der generalische Haudegen mit der besten Begruendung, seit es das Militaerwesen gibt- "Is' so!"- oder die Kameraden drueckten ihren Unmut ueber solcherlei Blasphemien gleich selbst aus. Das denkwuerdigste Zitat des Tages kam von meinem CIA-Agenten-Internationale-Beziehungen Dozenten:"Sieh' dir das genau an, unsere Oeffentlichkeitsarbeit hat bereits hier die kritische Masse erreicht, Amerika braucht sich keine Sorgen zu machen...".
Der Grossteil der letzten Tage wurde zusaetzlich interessanter fuer mich, als ich letzten Mittwoch aufwachte und aussah wie Gerard Depardieu: Meine Nase war ueber Nacht fast doppelt so gross geworden, angeschwollen und nicht eben ansehnlich. Einer Internationale-Beziehungen-Klausur und einer Psychologie-Hausarbeit zum Trotz, liess sich meine Nase nicht zur Heilung ueberzeugen und alles, was ich beim Wrestling tun durfte, war mich zum Doc zu begeben und die armen Sportler nicht weiter zu erschrecken. Wie sich spaeter herausstellte, habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, oder besser gesagt, zwei daemliche Infektionen von einem Satz dreckiger Wrestlingmatten bekommen. Bevor ich jedoch ueber's Wochenende im so komfortablen wie luxorioesen West Point Krankenhaus wie ein Koenig behandelt wurde, nahmen die deutschen Austauschleutnante und ich (mit Ninja-Gesichtsmaske) an der Operation "Black Hawk UP" teil.
Zusammen mit den entspanntesten Piloten der US Army flogen wir im UH-60 Black Hawk Helikopter ueber West Point, Huegel, Wald und Fluesse Achterbahn. Getreu dem Motto "Geradeaus fliegen kann jeder", durften wir bei offenen Tueren und 10 Meter ueber den Baumwipfeln Heeresflieger spielen.