es freut mich Ihnen mitteilen zu duerfen, dass West Point ROCKT! Was hier abgeht, kann in keiner Show naturgetreu nachgestellt werden: Es gibt Kadetten, die morgens nicht zum Antreten erscheinen, weil sie "den menschllichen Wecker" nicht gehoert haben, der hier vor jedem offiziellen Ereignis in Form von 50 armen Erstklaesslern auf die Flure tritt und aus vollem Hals "ACHTUNG KADETTEN, NOCH 5 (dann 4,3,2,1) MINUTEN BIS ZUM ANTRETEN! UNIFORM IST..., ES GEHT UM..., ZU ESSEN GIBT ES...(mein Favorit!)" groehlt. In unserer "Militaersysteme im Vergleich"-Klasse durften wir tiefenenstpannten Obersten aus der spanischen und britischen Armee lauschen, die ueber unzuverlaessige und dauernd Pause machende Italiener laesterten ("die arbeiten noch weniger als wir- und wir haben 3 Stunden Siesta!", Zitat Col. Jose), die NATO Hauptquartiere effizienter gestalten wollen und sich um interkulturelle Schwierigkeiten bei multinationalen Einsaetzen Gedanken machen.

Das "Ring Dinner" war ein von vielen Toasts und Reden unterbrochenes, sehr reichliches Essen fuer 5000 Personen in der "Harry Potter Grand Hall" und sorgte neben munteren Tischgespraechen mit allesamt deutschaffinen Eltern und drallen Schwestern von Kadetten fuer heftiges Glitzer-Gala-Feeling. Nach 1000-Kalorien-pro-Stueck-Torten-Dessert wurde auf dem anschliessenden Cocktail-Emfang zwar nicht besonders viel getanzt, dafuer umso mehr gesmalltalkt und geprotzt.
Die neue Woche startete stilgemaess mit dem Besuch des deutschen Generals Clauss, der von unserem Verbindungsoffizier DJ in die Gepflogenheiten der USMA eingefuehrt wurde, schnell ein (Bundes?-)Verdienstkreuz verlieh und eine ergreifende Rede zum Fuehrungssystem der Bundeswehr hielt.
Nachdem wir Austauschstudenten etwas guten Eindruck schinden konnten, durften wir uns beim "Combat Grappling" wieder mit Wuergegriffen, Submission-Wrestling und anderen Nettigkeiten austoben. Da es vorkommen kann, dass man fuer das Dinner-Buffet einfach mal 1 Stunde anstehen muss, weil 4000 Kadetten gleichzeitig Hunger und nur 1 1/2 Stunden Zeit zum Essen aussuchen haben, sorgen organisatorische Cliffhanger wie "ach ja, ihr muesst bis morgen frueh eure Betten ausgetauscht haben, die hier sind zu alt" dafuer, dass man bis Mitternacht durch 6 Stockwerke gurkt, um 100 Kilo-Betten in den Keller und gefuehlte 1000 Kilo Betten wieder in seine Stube zu wuchten.
Die ersten akademischen Tests, in Franzoesisch und Personalmanagement, waren erfreulich angenehm zu nehmen, Stubendurchgaenge und Betteninspektionen ein Wirr-Warr aus Vorschriften, Auslegungen und Albernheiten und die militaerische Ausbildung an US Funkgeraeten und Landkarten ein nostalgisches Schwelgen in Erinnerungen an die eigene Grundausbildung. Bevor den West Point'lern langweilig wird, veranstalten sie schnell mal ein "Spirit Dinner", fuer welches sie sich in Kostuemen, Aufmachungen ihrer Sport-Stars oder in Zivil zum strammen Antreten treffen, der
Battalionskommandeur als Julius Caesar verkleidet die Parade abnimmt und dann alles in die Grand Hall stroemt, um sich von kleinen Erstklaesslern unterhalten zu lassen. An unserem Tisch wurde Joachim Ringelnatz von einem Kadetten auf Deutsch vorgetragen, was zur heftigen Belustigung der Allgemeinheit beitrug.
Battalionskommandeur als Julius Caesar verkleidet die Parade abnimmt und dann alles in die Grand Hall stroemt, um sich von kleinen Erstklaesslern unterhalten zu lassen. An unserem Tisch wurde Joachim Ringelnatz von einem Kadetten auf Deutsch vorgetragen, was zur heftigen Belustigung der Allgemeinheit beitrug.


