Sonntag, 29. August 2010

The Ring, Ringer und Ringelnatz (Joachim)

Meine Damen und Herren,

es freut mich Ihnen mitteilen zu duerfen, dass West Point ROCKT! Was hier abgeht, kann in keiner Show naturgetreu nachgestellt werden: Es gibt Kadetten, die morgens nicht zum Antreten erscheinen, weil sie "den menschllichen Wecker" nicht gehoert haben, der hier vor jedem offiziellen Ereignis in Form von 50 armen Erstklaesslern auf die Flure tritt und aus vollem Hals "ACHTUNG KADETTEN, NOCH 5 (dann 4,3,2,1) MINUTEN BIS ZUM ANTRETEN! UNIFORM IST..., ES GEHT UM..., ZU ESSEN GIBT ES...(mein Favorit!)" groehlt. In unserer "Militaersysteme im Vergleich"-Klasse durften wir tiefenenstpannten Obersten aus der spanischen und britischen Armee lauschen, die ueber unzuverlaessige und dauernd Pause machende Italiener laesterten ("die arbeiten noch weniger als wir- und wir haben 3 Stunden Siesta!", Zitat Col. Jose), die NATO Hauptquartiere effizienter gestalten wollen und sich um interkulturelle Schwierigkeiten bei multinationalen Einsaetzen Gedanken machen.

Freitag Nachmittag wurde die Neuauflage von "The Ring" im riesigen "Dwight D. Eisenhower" Festsaal gedreht: 1000 Abschlusskadetten bekamen ihre "Jahrgangsringe" und waren wunderwas stolz und gluecklich und am Feiern ueber ihre zumeist sehr ansehnlichen Schmuckstuecke. Wenn die Kadetten auch alle gleich ekstatisch waren, so gab es doch verschiedenste Formen, Farben und vor allem Preisschildchen von den Ringen zu vergleichen: Es gab "nur" 600 $ Ringe als Budget-Loesung und 20.000 $ Ringe fuer diejenigen, die gleich ihre ganze Hand mit versichern liessen. Vom Gefuehl her wie Jugendweihe, vom Preis also wie mehrere Hochzeiten wurde das "Ring Weekend" eingelaeutet. Waehrend sich die meisten "Ringer" schleunigst aus dem Staub und zu ihren Familien aufmachen wollten, sorgte eine weitere sehr ominoese West Point Tradition dafuer, dass ein paar arme Abschlussklaessler ihre Zuege und Fluege nicht erwischten, weil sie, umringt von Luemmeln aus der ersten Klasse, staendig ihren Ring zeigen mussten. Besonders viel Zeit geht dabei drauf, wenn 40 Erstklaessler einen "Ringer" in eine Ecke draengen, jeder von ihnen einen zwei Minuten langen "Ring Spruch" aufsagt (den man schon nach dem zweiten Mal nicht mehr hoeren kann, aber die Kadetten troeten ihn voellig schmerzfrei jeden Tag und freuen sich selbst nach 10 Mal Hintereinander-Aufsagen beim Mittag noch drueber) und der arme "Ringer" verpflichtet ist, jeden Schreihals den Ring begrappeln zu lassen.
Nach vielem Ring-Hin-und-Her Gezeige, wilden Feiereien im angrenzenden Doerfchen Garrison und "Ausschlafen" bis 6.30 Uhr, ging es Sonnabend schliesslich zum hochoffiziellen "Ring Dinner", auf dem sich die Militaer-Elite der USA gegenseitig die klunkerverzierte Klinke in die schwer beringte Hand drueckte. Die Eltern meines Stubenkameraden Rob kamen uns in unserem "Room" ueberraschen, als wir uns gerade fuer's Dinner fertig machten und, ganz Ami-Style, wussten nicht recht, wie sie mit der Situation umgehen sollten und fluechteten sich zwischen ein paar Raumteiler-Kleiderschraenke, nur um durch die Schrankwand mit uns Small-Talk zu betreiben, waehrend wir uns preparierten. Rob's Vater ist ein alter Airforce Oberst, der in Florida Exo-Skelette fuer Lockheed-Martin entwickelt, "Terminator" als veraltet betrachtet und, nachdem er dort seine Ferien verbracht hat, die Insel Usedom als das Florida Europas lobt!

Das "Ring Dinner" war ein von vielen Toasts und Reden unterbrochenes, sehr reichliches Essen fuer 5000 Personen in der "Harry Potter Grand Hall" und sorgte neben munteren Tischgespraechen mit allesamt deutschaffinen Eltern und drallen Schwestern von Kadetten fuer heftiges Glitzer-Gala-Feeling. Nach 1000-Kalorien-pro-Stueck-Torten-Dessert wurde auf dem anschliessenden Cocktail-Emfang zwar nicht besonders viel getanzt, dafuer umso mehr gesmalltalkt und geprotzt.


Die neue Woche startete stilgemaess mit dem Besuch des deutschen Generals Clauss, der von unserem Verbindungsoffizier DJ in die Gepflogenheiten der USMA eingefuehrt wurde, schnell ein (Bundes?-)Verdienstkreuz verlieh und eine ergreifende Rede zum Fuehrungssystem der Bundeswehr hielt.

Nachdem wir Austauschstudenten etwas guten Eindruck schinden konnten, durften wir uns beim "Combat Grappling" wieder mit Wuergegriffen, Submission-Wrestling und anderen Nettigkeiten austoben. Da es vorkommen kann, dass man fuer das Dinner-Buffet einfach mal 1 Stunde anstehen muss, weil 4000 Kadetten gleichzeitig Hunger und nur 1 1/2 Stunden Zeit zum Essen aussuchen haben, sorgen organisatorische Cliffhanger wie "ach ja, ihr muesst bis morgen frueh eure Betten ausgetauscht haben, die hier sind zu alt" dafuer, dass man bis Mitternacht durch 6 Stockwerke gurkt, um 100 Kilo-Betten in den Keller und gefuehlte 1000 Kilo Betten wieder in seine Stube zu wuchten.

Neben Moebelspass zur Geisterstunde ereignen sich jedoch auch wirklich heftige Dinge in good old West Point, die so nur hier geschehen koennen: Eine Kadettin im zweiten Jahr hat sich entschieden, die US Army zu verlassen, weil sie sich von der "Don't ask, don't tell" Politik in Bezug auf homosexuelle Soldaten in ihrer Persoenlichkeit usw. eingeschraenkt fuehlt. Die Politik wird hier schon seit Jahren und kontrovers diskutiert, sie wird wahrscheinlich abgeschafft, doch das Problem an der Sache ist eher, dass die arme Kadettin aus ihrer West Point Stube heraus, in Uniform und recht...-umfangreich- ein nicht genehmigtes Interview fuer einen grossen US Fernsehsender gegeben hat und nun politisch gesehen die Fuehrungsetage brennt. Die Kadettin hat ohne Frage aus wichtigen persoenlichen Motiven, aber im Effekt sehr fragwuerdig gehandelt, wurde bereits mit einem Vollstipendium an die Yale University gelockt und die USMA macht Schlagzeilen ohne Ende. Solche Vorfaelle beeintraechtigen jedoch nicht das Gute-Laune-Programm unseres Generals Clauss, sie sorgen vielmehr fuer noch mehr Gespraechsstoff, wenn er mit uns Austauschleutnanten zur "Hudson River Rundfahrt" schippert.
Auf einem Kahn voller hoher Offiziere und Fremdsprachenexperten durften wir bei herrlichem Wetter und Buffet-Dinner soldatische Anekdoten, militaerische Enthuellungen und den Sonnenuntergang geniessen.


Die ersten akademischen Tests, in Franzoesisch und Personalmanagement, waren erfreulich angenehm zu nehmen, Stubendurchgaenge und Betteninspektionen ein Wirr-Warr aus Vorschriften, Auslegungen und Albernheiten und die militaerische Ausbildung an US Funkgeraeten und Landkarten ein nostalgisches Schwelgen in Erinnerungen an die eigene Grundausbildung. Bevor den West Point'lern langweilig wird, veranstalten sie schnell mal ein "Spirit Dinner", fuer welches sie sich in Kostuemen, Aufmachungen ihrer Sport-Stars oder in Zivil zum strammen Antreten treffen, der

Battalionskommandeur als Julius Caesar verkleidet die Parade abnimmt und dann alles in die Grand Hall stroemt, um sich von kleinen Erstklaesslern unterhalten zu lassen. An unserem Tisch wurde Joachim Ringelnatz von einem Kadetten auf Deutsch vorgetragen, was zur heftigen Belustigung der Allgemeinheit beitrug.
Am Ende der Woche trafen sich alle Abschlussklaessler in der West Point eigenen Bowlingbahn, um mit 3 Stunden bowlen, Pizza und Getraenke all-inclusive (fuer nur 15 $ pro Person, wow!) die lustige "Ring(er)(elnatz)Woche" ausklingen zu lassen.
Redakteur Ronnie Ringel und Rerik Rsteffen wuenschen Ihnen einen angenehmen und erfolgreichen Start in die Woche!

Samstag, 21. August 2010

Unterricht, Unfassbares und Unterhosen

Einen schoenen guten Abend Ladies und Gentlemen,

lassen Sie mich heute mit einer Frage beginnen: Was haben CIA Agenten, mexikanische Waeschereifachfrauen und "Der Herr der Ringe" gemeinsam? *andaechtiges Schweigen, Grillen zirpen, jemand hustet, ein Wuestenbusch kullert vorbei*



Genau! Sie alle finden sich zum Start des akademischen Jahres in West Point ein und sorgen dafuer, dass selbst eine erste Schulwoche hier zum pompoesen Staatsakt geraet. Uniform und Zaehne herausgeputzt (die Zahnseidenindustrie boomt allein dank West Point, West Points Krankenstation boomt dank der Kadetten, die's schamlos uebertreiben und sich das Zahnfleisch gleich mit weg putzen), 6.30 Uhr (ist hier wie ausschlafen) antreten, Fruehstueck essen und...- Hausaufgaben machen! Noch vor der ersten Unterrichtsstunde bekommt man bereits Homework auf. Diese beschraenkt sich dabei nicht auf "ein paar Seiten zur Einfuehrung lesen", sondern man moechte von uns Lebenslauf und ca. 40 Seiten pro Kurs gelesen und angewandt haben. Bei Klassengroessen von rund 14 Kadetten und der im Vergleich zur West Point Schuluniform richtig froehlichen deutschen Uniform, ist es dabei schwer, den hoch motivierten Lehrern aller Karrieren und Altersgruppen zu entgehen. Wenn hier EINER seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, gibt's 'nen Test fuer alle, zum Glueck hat unsere Klasse das begriffen und wir enden nicht wie andere Kurse mit taeglichen Tests und fies-fordernen Fachleerkoerpern. Franzoesisch auf Englisch als Deutscher ist ein herrlicher Ersatz fuer den droegen zweiten Teil allgemeinerziehungswissenschaftlicher Theorieanalyse, der die deutschen Kameraden in Hamburg langweilt.
Human Resource Management ist wie unser gutes altes Personalmanagement, nur auf teuren Chefsesseln und mit einem hochmotivierten Major, der vorher in Afghanistan die AFNA (Afghan National Army) Offizierakademie mit eingerichtet hat.
Der Militaerkurs "Militaersysteme im Vergleich" wird von einer Frau Hauptmann unterrichtet, die sich jedoch selbst mit 5 West Point Kadetten nicht gegen die Infiltration ihres Unterrichts von 5 Deutschen und zwei Oesterreichern zur Wehr setzen kann. (Die Uebernahme West Points verlaeuft wie geplant :)
Obwohl der erste Schultag so ausklang, wie er anfing- mit Hausaufgaben fuer den naechsten Tag- hat er einfach nur Spass gemacht und das insgesamt positive Gefuehl vermittelt, dass 55 Minuten Unterricht und ca. 2 Stunden Vor/Nachbereitung pro Fach gut zu bestreiten sind. Da der offizielle Kompanie- und Clubsport noch nicht angefangen hatte, verbrachten die Kadetten ihre Nachmittage damit, auslaendische Mitstudenten bei 40 Grad Celsius, Gewitterschwuele und Huegeln, sooo vielen Huegeln, an die Fitnessstandards West Points zu gewoehnen.
Nach 45 Minuten laufen, reanimiert werden und 45 Minuten anstehen, um Dinner zu bekommen, stellten sich schliesslich am Abend die 100+ verschiedenen Clubs fuer Sport, Jagen, Sprachen, Religionen, Militaeraktivitaeten und EICHHOERNCHEN vor. Von einem Stand zum naechsten schlendernd, beladen mit free snacks und Flyern, wird man werbewirksam zur freiwilligen Teilnahme im Frauen-Squash, Zionisten-Club und dem Verein zum Schutz der lokalen Tierwelt (Eichhoernchen!!) gedraengt, obwohl man doch bloss zum Karate will.
Die Schulwoche verlaeuft hier in dem Schema: Unterrichtstag 1- Fach X,Y,Z dann Unterrichtstag 2 -  Fach A, B, C und dann wieder Tag 1 usw. Der zweite Schultag begann damit, dass wir zur Uniform und Haar-Inspektion antraten und wurde im Fach "Internationale Beziehungen" von unserem CIA Instructor sehr spannend gemacht, weil wir uns alle vorstellen mussten, waehrend er uns mit einem ellenlangen, aber dauerzensierten Lebenslauf erheiterte, der uns nicht einmal seinen richtigen Namen mitteilte.
"Experimentelle Sozialpsychologie" wird von einer schwer an Frau Rodd erinnernden Frau Oberst gelehrt, die so schnell sprechen kann, dass sie 10x "experimental social psychology" in 7 Sekunden sagen kann, ohne sich zu verhaspeln. (sie hat es uns messen lassen!)
Nachmittags stellte sich noch fix der Dekan der Akademie vor, die armen, zahnfleischverletzten Zahnseidenafficionados schauten neidisch, als sich unser gesamtes "Combat Grappling" Team innerhalb von 5 Minuten einen Mundschutz anfertigen liess und zum Training marschierte. Nach "Wrestling mit fiesen Tricks" (offizielle Werbung fuer's Combat Grappeln) und weiterem Huegel-rauf-rauf-und-irgendwie-nie-runter-Laufen, gab's wieder Homework, Dinner und etwas Schlaf.

Der 18.08.2010 fing gut an, es war wieder Tag 1 des Stundenplans, aufgelockert durch Stubendurchgaenge, Trips zur Waescherei und zur Post (nette Mexikaner in allen Situationen!) und nachmittags einem Einkauf im West Point eigenen Supermarkt. Leider endete der Tag nicht, wie er anfing, er endete noch nicht einmal wie irgendein normaler Tag. Am Abend des 18.08.2010 wurde bekannt, dass sich "Das letzte Einhorn" in einem alternativen Ende des gleichnamigen Films ins Meer gestuerzt hatte. Da ich in den letzten Jahren ein sehr grosser Fan des Einhorns gewesen bin, konnte ich dieses Ende nicht fassen. Alles, was im Moment moeglich ist, ist darum zu trauern und dennoch seinen Auftrag wahrzunehmen, den Auftrag West Points und der Bundeswehr ("geh' brav studieren!") und den Auftrag des Lebens selbst ("Lebe!"). West Point ist- ob im Guten oder im Schlechten- jedenfalls so ziemlich der beste Ort, um sich abzulenken und professionell von allem, was nicht mit West Point zu tun hat, abgelenkt zu werden (Eichhoernchen > Einhoerner). Abstrakte Spielchen wie "wenn die Abschlussklasse feiern geht, trauen sich die Erstklaessler aus ihren Hoehlen und pruegeln in Helm und kugelsicherer Weste mit Kissen aufeinander ein, bis einer, dem es nicht gefaellt und der was zu sagen hat, sie alle zum Straf-Appell holt"
sorgen fuer Unterhaltung, sportliche Betaetigung und teils merkwuerdig-gruselige Anblicke kuenftiger Fuehrungskraefte in Unterhosen.











In loving memory of the last Unicorn, "Dream On" by Ronnie James Dio.  

Montag, 16. August 2010

Acceptance Day Weekend

Guten Abend werte Damen und Herren,

nach der recht rock and rollenden richungsweisenden Reorgy-Week, wurde am Freitag, dem 13., froehlich weiter frueh angetreten. Doch ohne spartanischen Kriegslauf und nur mit droegem Fruehstueck befuellt, machte dies nur halb so viel Spass, was schliesslich durch ein Kompanie-Briefing in hoechst familiaerer Atmosphaere wieder ausgeglichen wurde. Da wird auf Couchen 'rumgeluemmelt, Brunch gemampft und nebenbei ueber die Aufgaben des Tages gesprochen. Aufgelockert wurde der bis dato ruhigste Tag durch Stuben- und Revierreinigung der Kompanie und den Spass, den die Abschlusskadetten und ich hatten, als wir stundenlang besagte Stuben und Reviere ueberprueften, arme kleine USMA Anfaenger erschreckten und nicht funktionierenden Email Accounts hinterher bastelten. Im Gegensatz zum nicht erinnerungswuerdigen Fruehstueck setzte die hiesige Kueche beim Mittag richtig einen drauf und servierte American Pie mit Vanilleeis, Brathaehnchen, Bratkartoffeln und Gemuese sowie Barbecuesauce- alles zusammen auf einem Teller...

Schwer beeindruckt vom Mittag liess der naechste Knaller nicht lange auf sich warten, und so veranstalteten Generaele und Oberste eine Hurra-patriotische, pathosdonnernde Comedyshow, die eigentlich nur die hochoffiziellen Krieger der USMA vorstellen sollte, aber eine Stimmung wie auf dem Oktoberfest erzeugte.
Nach argentinischem Rumpsteak zum Dinner wurde fleissig weiter "gebrieft", diesmal waren unser Kompaniechef und sein Spiess dran und schliesslich durfte jeder von uns mal was sagen- von "GO AMERICAAAA!!!" (*tosender Beifall und Oktoberfest*) bis hin zu schnarchlangweiligen Reden von IT-Spezialisten, die frecherweise stolz darauf waren, unsere kaputten Laptops und Email Accounts nach gut einer Woche endlich wieder zu reparieren. 

Sonnabend gab es schliesslich die gross angelegte, lang und hart gedrillte "Acceptance Day Parade" der USMA fuer ihren neuen Kadettenjahrgang. Nach nochmaligem Vorueben von 5.30 bis 8 Uhr, wurde um 10 Uhr Ernst gemacht und ca. 3000 Besucher wurden vom Kadettenkorps begeistert. Nach einer erfrischend (An)sprachlosen Parade, in der stramm musiziert, aber bis auf Kommandos hier und da kein Wort gesprochen wurde, flanierten wir an politischen, militaerischen und wirtschaftlichen Groessen vorbei, die von kreischenden, Poster und Taschentuecher wedelnden Eltern flankiert wurden. 
Bevor wir in unser wohlverdientes Wochenende wech'treten durften, hatten wir erst noch befohlenen Spass beim Company Barbecue, mit Burgern, Chips und Suesskram, schliesslich aber hiess es: Umziehen, raus hier und...- auf zum Picknick mit der Familie meines Stubenkameraden Colin an den Hudson River. Da ungefaehr 500 andere Familien auf die gleiche Idee gekommen waren, war es mehr Woodstock mit Dolce und Gabbana Blusen, Armani Shorts (die uebrigens nicht von meinen Aldi-Shorts zu unterscheiden sind!) und Kaviar-Toast.  


Nach etwas Sport ging es abends zum "21st Birthday Bash" meines anderen Stubenkameraden Rob. Was mit 5 Mann als gemuetlicher Abend startete, wurde im Zuge von 3 Barbesuchen, viel zu vielen Drinks (und warmer Milch mit Honig bei mir) und durch die Abgeschiedenheit West Points zu einer 100 Mann Sause, die von Bier-Ping Pong, Eiswuerfelweitspucken und Limbotanz zu Uri Geller, alkeholgetraenkten Kadettenzombies und fragwuerdigen "Rules of Engagement" zwischen weiblichen und maennlichen Teilnehmern fuehrte.




Nachdem die Abschlussklasse der USMA also dafuer gesorgt hatte, dass sie mit den besten koerperlichen Voraussetzungen in ihr Herbstsemester startet, sollten Sie, meine Damen und Herren, dem Vorlesungsbeginn mit Hochspannung entgegen sehen!

Hochachtungsvoll, Ihr


     

Freitag, 13. August 2010

Reorgy Week und THIS IS SPARTAAA!!!

Guten Nachmittag meine Damen und Herren,

eine ereignisreiche, ach was soll's, eine VOELLIG ueberladene, verdrehte und heftig interessante Woche neigt sich dem Ende zu. Nach strammen Morgen-Antreten um 6.30 oder auch mal um 5 Uhr und unzaehligen Briefings, Kommandotreffen und wahrgenommenen Fuehrungsaufgaben ist es momentan fast schon truegerisch ruhig.

Oesterreichische, chilenische, japanische und deutsche Leutnante haben Postfaecher, Stundenplaene und Offiziersaebel bekommen, dass heisst, wir haben eine der exklusivsten Postanschriften, eine Menge Unterrichte und ein in Solingen, good old Germany, geschmiedetes Accessoire, welches auch die Herren gerne tragen. (oder zum Aufspiessen von Milchkartons, zum Irritieren dienstgradniederer Kameraden und als uebergrosses Essbesteck benutzen)
Waehrend am Montag der neue Jahrgang der West Point Kadetten dreckig und k.o. aus der Grundausbildung zurueck kam, nur um hier dann zu den Klaengen des "Imperial March" von Darth Vader und von den dienstaelteren Kadetten richtig fertig gemacht zu werden, wurden wir gemuetlich ueber's Gelaende gefuehrt. Um im Unterricht naechste Woche bei den schwuel-heissen Temperaturen von 37 Grad etwas sueffeln zu koennen, durften wir uns fuer 10 $ "Dekan-Genehmigte Trinkgefaesse" kaufen (SO finanziert sich West Point also!), waehrend Schulmaterialien aus Teakholz-Papier (man goennt sich ja sonst nichts) als Normalitaet anzusehen sind. Weiterhin wurden wir mit einem Army- und CIA ueberwachten Laptop ausgestattet, erhielten Bettzeug (obwohl in West Point mit'm Schlafsack zu schlafen schon fuer Erheiterung sorgt) und wurden in verantwortungsvolle Positionen wie "Section Leader and Cultural Awareness Officer" gehoben. Als solcher hab' ich einen bunten Haufen von sieben Kadetten bekommen, den ich fuer den Rest der Woche buchstaeblich an die Hand nehmen musste, damit sie nach 3 Jahren an ihrer Akademie in selbiger klarkommen.

Das Essen wechselt zwischen absolut herrlich und recht gesund und nicht wirklich toll und in normalen Portionen toedlich, wer hier Paracelsus als Standard nimmt (die Dosis macht das Gift), hat zwar manchmal Hunger, aber wird in den vier Monaten wenigstens nicht (noch) fett(er) :)
Besucht man halbwegs regelmaessig die hiesige Sporthalle, sollte sich das Risiko der Fettleibigkeit weiter reduzieren lassen: Auf sechs Stockwerken kann man in jeweils drei Schwimmhallen, Kraftraeumen, Turnhallen und Indoor-Laufstrecken sowie unendlichen "Club Rooms" die sportliche Sau rauslassen.

In der uns mit stolzgeschwellter Brust als neueste und schlappe 70 Millionen $ teure Errungenschaft vorgestellten "Jefferson Bibliothek" lagern zwar "nur" 750.000 Buecher, dafuer sind lebensgrosse Originalportraits von Thomas Jefferson, George Washington und anderen Gruendungsvaetern in ihr ausgestellt. Nachdem wir ueber unsere Rechte und Pflichten in West Point aufgeklaert wurden und uns schweren Herzens von Prunk und Protz verabschieden mussten, wurden wir im Umgang mit dem Offiziersaebel und fuer die "Acceptance Day Parade" der neuen Kadetten am Sonnabend gedrillt.
Rumpsteak zum Dinner, Raetselaufgaben zum "geistigen Training" und sehr deutschfreudige Kadetten sorgen fuer unser Wohlbefinden und so sind selbst stetes Drillen, 'ne Menge zu tun und um 5 Uhr aufstehen keine echten Spassbremsen.

Wenn 5000 Mann sich auf einem riesigen Exerzierplatz versammeln, es brechend heiss ist und viele Leute  sich noch nicht wieder im effizientesten Arbeitsmodus befinden, kann es bei aller Strammheit schon mal dazu kommen, dass 104 von 125 Kadetten beim Antreten fehlen und beim Essen oder in der Formation einschlafen. Wenn 5000 Mann morgens um 5 Uhr meinen, sie muessen in Formation 10 Kilometer wie die Bekloppten rennen, Fahnen und Banner schwingen und (kein Spass!) "THIS IS SPARTAAAA!" bruellen, dann weiss man, dass man in West Point angekommen ist. Und wenn kein einziger zurueckfaellt, alles irgendwelche Marschlieder groelt ("My Grandma is now 92 and she does this run better than you!") und Generale im Morgenmantel auf der Veranda stehen und uns mit Gartenschlaeuchen erfrischen, dann weiss man, dass alles in Ordnung ist!

In diesem Sinne, Holido und FOR SPARTA!