Ihnen allen einen angenehmen Sonntag und allen, die es betreffen mag, einen durchlauchten Reformationstag, gruseligen/erfolgreichen Halloween und ein strammes Erntedank-Fest!
Zusammen mit Jason's Banjo-spielendem Kumpel Mike und anscheinend allen party-froenenden High-School-Kids von New Jersey, wurde im Diner "Applebee's" eine Mehrfach-Fete zu 21sten Geburtstagen geschmissen, die sich (mit Kernseife!) gewaschen hatte.
Am naechsten Morgen wurde sich getreu dem Motto "3 Bier sind auch ein Fruehstueck" zur Automobil-Zulassungsstelle geschleppt, der "endlich 21" Fuehrerschein mit dem von der Party aufgehuebschten Fahndungsfoto versehen und der Grossteil des Tages in den naturbelassenen und sommerlich durchwehten Jersey Woods verbracht.
Bei 22 Grad, Voegel-Piepen und zuvielen guten Sandwiches fuer zu wenig esslustige Feierei-Amerikaner in Wochends-Reha, liessen wir es uns praechtig gehen.
Abends zog es uns erneut zu einer Multigeburtstagsfeier, diesmal jedoch raus auf ein einsames Feld, wo sich, wie abgesprochen, erneut die gesamte Jugend New Jersey's zu versammelt haben schien.
Zwischen "Heuwagenfahrten des Grauens" und Kinder-Karaoke drueckten wir den Altersdurchschnitt zwar etwas nach oben, aber um kleine Ami-Kids zu erschrecken, wie Kolumbus die Indianer erschreckt hat, war es das allemal wert.
Die neue Woche lachte uns mit Hausarbeiten und dem Totalausfall der "Grand Hall" Kueche entgegen, was dazu fuehrte, dass circa 2000 Kadetten ungefaehr den gesamten Montag damit verbrachten, in Schichten beim West Point eigenen Restaurant/Catering Service anzustehen und sich zu halsbrecherischen Preisen ungesundes Fast Food zu kaufen. (Es lebe das Huehnchen-"Schnitzel" fuer 25 Dollar...!)
Zum Ausgleich von Hausarbeiten, Tests und wirklich schlechtem Essen gab es gluecklicherweise weiterhin unzaehlige Moeglichkeiten, Sport zu machen und sich fuer die Fitness zu knechten. Wieso man wie unsere Kompanie einen 13 Kilometer-Lauf um Mitternacht machen muss, ist mir bis heute schleierhaft, aber zumindest laesst es sich danach gut schlafen. Ueberraschungen, wie der Kompanie-Chef, der sich gemuetlich zum Lunch mit an unseren Tisch setzt, und uns mit Einsatz-Erfahrungen aus Afghanistan unterhaelt, oder der West Point Deutsch-Klub, der sich spontan bei uns auf Stube einquartiert und eine "Sprech-Party" (wer als letzter noch verstaendlich Deutsch sprechen kann, hat gewonnen...) feiert, motivieren und bringen Grinse-Laune.
Zwischendurch gibt es zwar immer wieder mal Disziplinarverfahren, die leider auch mal kapriolenschlagende Kadetten aus meiner Gruppe erwischen, aber selbst dort werden, nach viiieeel Gerede und Strafen wie Stubenarrest, Wochenend-Marsch-Dienst und Rangverlust, zusammen auf Facebook Einsatz-Bilder und auf Youtube Kampfsportvideos aus dem Oktagon-Kaefig angeschaut.
Am 16. Oktober 2010 wurde fuer unser Regiment in West Point ein weiterer historischer Tag begangen: Der Super-Saturday *daedaeaeae*! Nach einem Freitagabend-Briefing von Kadetten fuer Kadetten zur Lage der Nation "Regiment 2" in den Waeldern New Yorks, Aufgabenverteilung (juhuu, ich war "Internationale Unterstuetzung des Stabs"), drei Stunden Schlaf und Alarm-Wecken (wer vermisst es nicht?), hievten wir uns Sonnabendmorgen um 3 Uhr aus den Kojen und in endlich mal wieder voller, gruener, militaerischer Montur in US Army-Jeeps.
Beladen mit Geruempel, zwielichtig angemalten Gestalten und voller Waffen und Munition, ruckelten wir wie albanische Partisanen durch die -welch Timing- erste Oktobernacht mit Temperaturen unter 0 Grad. Voller Tatendrang auf einem entlegenen, windigen und dunklen Huegel angekommen, wurde -welch angenehme Ueberraschung- allen Einheiten Schlaf befohlen! Ob und wie uns der Schlaf auf einer offenen, zugestellten Jeep-Ladeflaeche bei Frost und Wind gut tat ist das eine, aber die Geste wurde definitiv wohlwollend aufgenommen. Bei Sonnenaufgang bauten wir den Battalionsgefechtstand in Form von Bierzelt, Bierzeltgarnituren und Buero-Moebeln (!) auf.
Nach einem ebenso noetigen wie droegen Fruehstueck marschierten uns die ersten Kadettenkampfgruppen entgegen. Wir brieften sie ueber ihre Aufgaben in unserem Gebiet des lustigen Super-Sonnabends und schickten sie etwa mit Karte, Kompass und Keksen in die Suempfe, in Baeren-Jagdgebiete und benachbarte Gefechtsstaende. Mal kam die Dienstaufsicht in Form von habichthaften Obersten, mal kam benachbartes Stabspersonal mit Kaffee und Donuts und trotz alleiniger Vorbereitung und Ausfuehrung durch Kadetten lief dieses "Spass-Biwak" wie am Schnuerchen.
Es war wirklich beeindruckend, wie die gesamte Planung und Organisation reibungslos in eine freundliche, entspannte und dennoch effiziente Ausfuehrung ueberging- seien es Patroullien mit/ohne Jeep, Schiessstaende, Paintball-Kompanie-Gefechte (DAS wuerde der Bundeswehr gefallen!) oder unser "Marschier' drauflos und komm' heil wieder" Kurs, ob Funktionspersonal oder Teilnehmer, es war eine Pracht. Als gegen Abend die letzten Gruppen durch unsere Station gewackelt waren, packten wir unser Stabsbuero wieder auf die Jeeps, spielten Boule und wurden auf den US Army Zigeuner-Jeeps wieder nach West Point gegondelt.
Standesgemaess gab' es ein Kompanie-Grillen, diesmal jedoch mit zuviel Spiritus auf dem Rost, meterhohen Flammen die unsere Burger brutzelten und der Verkuendung des wachhabenden Offziers, dass ich ihn zu vertreten und den Nachtwaechter fuer unsere Kompanie zu spielen habe.
So endete der Super-Saturday nach 24 Stunden Spiel, Spass und Ueberraschung, indem ich nachts um 3 Uhr durch die Stuben unserer Kompanie tappte, um "zu sehen, ob auch alle da sind und keiner Unfug macht"...
Die neue Woche begann fuer unser Wrestling Team mit einer knappen Klatsche vom 2. besten Team West Points und persoenlichem Nachhilfeunterricht unseres Kompaniechefs. Er, als alter Tae Kwon Do und Grappling Aficionado, liess sich sogar im Sparring hier und da von uns treffen, bevor es ihm zu bunt wurde und er jeden einzelnen von uns (Schlag ins Gesicht hin oder her...-aber wann darf/soll man seinem KpChef schonmal auf die Lichter hauen?!) mit fantasievollen Wuergegriffen zum Nachdenken brachte.
"Taco Tuesday" im Kadettenclub, Mittwochslunch mit Management-Dozenten und Airforce Captains und mehr Spass beim Wrestling (diesmal haben wir Kompanie E-2 brav fertig gemacht) bereicherten die Woche ungemein. Franzoesische Kadetten die vom harten Leben an der franzoesischen Militaerakademie Saint Cyr berichten, der Chef des deutschen Heeresamtes General Spindler und die Oktoberfeste Nr. 4 und 5 taten ihr uebriges, um die Zeit wieder mal fliegen zu lassen. Nach einem Tortilla-Lunch mit General Spindler und einem reichhaltigen Meet-and-Greet im Mahagoni-getaefelten Konferenzraum zur Lage der Nation, wurde im Garten unseres Verbindungsoffiziers DJ fuer schneidige Heimatgefuehle gesorgt. Bratwurst, Sauerkraut, Weisswuaschd, Spaetzle und Leberkaese brachten in Kooperation mit deutschem Bier ein weiteres "Oktoberfest" in Schwung, dem sich selbst die hohe Generalitaet (Deutschlands und West Points) erst spaet des Nachts entziehen konnte.
Das (wirklich) letzte Oktoberfest wurde letzten Sonnabend in der "Class of 1949" Lodge im West Point eigenen Erholungsgebiet abgehalten. In einer protzig-luxurioesen Blockhuette wurden die gleichen kulinarischen Koestlichkeiten gereicht, die bisher jedes Oktoberfest treu begleiteten, doch konnten sie kaum von dem prominent mit Alpenhut geschmueckten Oktopus ablenken, der einigen deutschen Austauschleutnanten bis heute Einschlafschwierigleiten bereitet. Und obwohl sich auch diesmal noch keine Feiermuedigkeit bei den dauerenthusiastischen Amis feststellen liess, erhoehten wir unseren eigenen Enthusiasmus, indem wir zur Comedyshow von Jim Gaffigan gingen. Good old Jim erzaehlte uns einen vom Wolf, dass die Halle aus dem Lachen nicht mehr herauskam und so moechte auch ich (wohlwissend um humoristische Kollateralschaeden) diesen Post mit einem Lacher beenden:
fragt der Wirt: Ey, warum machst' so'n langes Gesicht?"
In diesem Sinne, Holido meine Damen und Herren.
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