Dienstag, 12. Oktober 2010

Starship Troopers, Steuben, Stoiber

Einen wunderschoenen guten Nachmittag meine Damen und Herren,

einen frohen Tag der deutschen Einheit nachtraeglich, alles Gute fuer den die Heimat fest im laubigen Griff habenden Herbst und eine angenehme Semester/Trimester-Start-Woche fuer alle studentisch Betroffenen!

Seit der Joint-igen Helikopter-Operation "Black Hawk UP" der US Army, dem Bundesheer (die lustigen Oesis) und der Bundeswehr haben sich in und um West Point erstaunliche Dinge abgespielt: Waehrend man im Aufenthaltsraum des West Point Hospitals auf noch haertere Medikament-Keulen zur Behandlung franzoesisch anmutender infizierter Nasen wartet, wird dem geneigten Gast Lektuere empfohlen, die nach Einschaetzung des ueberaus zuvorkommenden Pflegepersonals seinem Geschmack enstspricht.

Die Algorithmen und Variablen in dieser populaerwissenschaftlichen Operation sind mir zwar unbekannt geblieben, dafuer habe ich die Ehre gehabt, eines der einflussreichsten US Military Science-Fiction Werke studieren zu duerfen- Starship Troopers! Bis dato war mir nur der (zugegeben, recht unterhaltsame) Kaefer-Aliens-kriegen-von-Space-Marines-auf's-Maul Film ein Begriff, doch siehe da, das Buch wurde bereits 1959 von Robert A. Heinlein, einem ehemaligen Navy Lieutenant,geschrieben und schlaegt mit seiner ganz eigenen Sozial- und Strebensphilosophie den Film um Lichtjahre. Das zweite Buch nannte sich "Tausend strahlende Sonnen" und handelt von dem schicksalhaften Zusammentreffen zweier afghanischer Frauen im konfliktzeruetteten Land und liess mich besser einschlafen als eine Nacht lang Bob Ross auf Bayern Alpha!

Nach einem erhol- und bildsamen Wochenendaufenthalt im luxurioesen West Point Krankenhaus, startete die neue Woche wie die letzte Woche endete: Stubendurchgaenge, kompaniefeldwebelige Repressalien gegen die armen Kadetten, waehrend man als "German Officer" vom Doellsten verschont bleibt, Klausuren, Tests und Hausaufgaben bis 24 Stunden schlicht zu wenig fuer einen Tag zu sein scheinen. Interessanterweise lassen einen jedoch Besonderheiten und Lageaenderungen in solch einem Rhythmus umso kaelter, je mehr ohnehin schon zu tun ist- West Pointler aller Dienstgrade grinsen drueber, zwitschern sich eine weitere Stiege Red Bull-Espresso rein und stecken mit ihrer Dienstfroehlichkeit selbst missmutiges Putzpersonal und Kadetten, die gerade ein Disziplinarverfahren durchlaufen an. Wer es um 5 Uhr morgens vor versammeltem Regiments-Stab und einem armen Tropf, der Mist gebaut hat, schafft, alle Anwesenden fuer den Tag zu motivieren und den Fehlgetretenen mit einem Kaffee und Keksen zu verabschieden, der besitzt beeindruckende Fuehrungsfaehigkeiten (oder ganz spezielle Kekse...).

Ein Mann, der vor 250 Jahren ganz besondere Fuehrungsfertigkeiten bewiesen hat, war Friedrich Wilhelm von Steuben, ein preussischer Baron, General und US-Armeeinspektor, der der amerikanischen Revolutionsarmee militaerischen Drill und Disziplin, sowie George Washington das "Revolutionskriegs-Drillhandbuch" brachte. Waehrend ich hier das erste Mal vom Herrn Steuben hoerte, halten ihn eine erstaunliche Anzahl von Amerikanern, nicht mal noetigerweise aus dem Militaer, in hoechsten Ehren. So findet jedes Jahr im September die "New Yorker Steuben Parade" statt, die alle deutschaffinen Amerikaner, Kostuem- und Geschichtsexperten aus der Lueneburgerheide und dieses Jahr auch deutsche Austausch-Leutnante samt West Point Kadetten anlockte.
Waehrend wir es am 25. September also John F. Kennedy und Neil Armstrong gleichtaten und vor tausenden jubelnden und Polka-dudelnden Zuschauern die New Yorker 5th Avenue hinunter marschierten, wurde das Andenken an General Steuben auch von den dudelsackspielenden irischen Polizeibeamten New Yorks, einer karibisch-deutschen Maedchenschule und dem Deutsch-Amerikanischen Schuetzenverein hochgehalten.

Das anschliessende "Oktoberfest" im Central Park war eine hoechst willkommene Abwechslung, die mit Bier, Weib und den derbsten deutschen Partykrachern (Micky Krause, Roland Kaiser, Wolfgang Petri uvm., jedoch kein Edmund Stoiber weit und breit) circa 20.000 Gaeste auf gefuehlten 2000 Quadratmetern zum Froehlichsein schunkelte.








Wir konnten buchstaeblich nicht weiter als zwei
Meter pro Versuch gehen, da sich uns deutschaffine Amerikaner, Regensburger Karnevalisten und Hamburger Kostuemvereine regelrecht in den Weg und ins Gespraech stuerzten. Doch stereotypische deutsche Feierei und Gemuetlichkeit sowie wirklich gute Bratwurst und Sauerkraut hielten uns nicht davon ab, zum Dinner in ein West Point gesponsortes (!) Nobelrestaurant zu gehen und die besten Barbecue Rippchen der Welt zu kosten. Um den Kreis zu schliessen fand sich unsere ohnehin bereits in Kreisen marschierende Feierabteilung im "Schneider" ein: Eine urige Bayern-Bar mit Biergarnituren, Polka, Weissbier, Brezeln, Lederhosen und Dirndln und dass alles zwei Strassen von der Wall Street entfernt und angefuellt mit 19.000 der 20.000 Oktoberfestbesucher (wieder ohne den schmal'n Bat'zi Ede Stoiber).
Um 5 Uhr morgens waren wir dann endlich aus dem "Schneider" (der musste jetzt einfach sein :) um die sonntaegliche Sightseeing Tour zum Empire State Building mit gebuehrendem Handicap zu begehen.






Nach dem obigen Wohlfuehl-Wochenende machte die neue Woche mit Wohlfuehlsport wie Grappling und Wrestling gleich doppelt soviel Spass, doch der Knaller der Woche kam aus voellig unvermuteter Richtung: Waehrend wir den Steuben-Gedenkmarsch durch New York veranstalteten, schnappte eine wohlbekannte, aufstrebende junge Praktikantin und John-Brinckman-Gymnasium 2007 Abiturientin ein paar Bilder aus der hintersten Reihe der Zuschauer, um ein wenig ueber die Parade zu berichten. Wie sich spaeter herausstellte, latschte ich auf einem ihrer Schnappschuesse durch's Bild, was uns zu einem spontanen Mecklenburger Gipfeltreffen in den (doch recht sicheren) Strassen von Harlem bewegte.









Zwischen West Point-geschwenkten Fitness-Tests bei stroemendem Gewitter, Warnungen vor dem Militaer-Industrie-Komplex, der die Politik der USA steuert und einem weiteren Oktoberfest (auch ohne den Stoiber Edmund), diesmal in West Point, feierten wir aus dem September und in den Oktober. Obwohl es schwer zu glauben war (immer noch ist), dass hier wirklich schoen Oktober ist- wir geniessen immer noch strahlenden Sonnenschein, 22 Grad und fehlgeleitete Eichhoernchen, die so manche Antrete-Formation unterhalten.
Die guten alten Kompanie-Grillabende und so manche interessierte Kadettenfamilie sorgen fuer zusaetzliche Abwechslung: Wenn man, nach medium-raren Steaks und Oreo-Keksen, mit einem alten 3-Sterne US General, seinem Oberstleutnant-Sohn und der freundlichen Kadetten-Enkelin in ein Steak-Restaurant geht, dann hilft das, sich wohl bemessen von aller West Point Action zurueckzulehnen (dabei sind die oertlichen Gepflogenheiten und vom Steak belastete Kleidungsstueckknoepfe zu bedenken) und zu freuen, dass es Steuben, Starship Troopers und Steak gibt.

Waehrend das West Point-Football Team ein weiteres Match knapp verlor, unser Platoon eine freizeit-bereichernde Zombie-Jagd veranstaltete und unsere Grappling-Abschlusspruefung darin bestand uns gegenseitig so effizient wie moeglich zu erwuergen/verpruegeln/zur Aufgabe zu zwingen, inspizierten eiskalte Regimentskommandeure unsere Stuben und hielten israelische Offiziere Vortraege ueber die delikate Lage im nahen und mittleren Osten. Nach mehr von allem Ueblichen (Tests, Sport, Hausaufgaben, Eichhoernchen zum Fruehstueck...-santreten) fand letzten Donnerstag die "Sylvanus Thayer Award Night" statt. Hier in West Point/Hogwarts ist Sylvanus Thayer als der Bruder von Salazar Slytherin bekannt, der das unglaublich vollgestopfte akademische Druckbetankungsprogramm West Points zu verantworten hat.
Mit Hurra-patriotischer Parade fuer den diesjaehrigen Gewinner, den ehemaligen US-Aussen- und Schatzminister James Baker III und nicht minder aufgeputscher Rede des alten Haudegens (anscheinend ist es Pflicht fuer alle Gastredner West Points dass sie "alte Haudegen" sind :) wurden wir nach einem endlosen Dinner, dass nur aus Salat bestand (!), ins Wochenende verabschiedet.
Ladies and Gentlemen, es wird mir eine Freude sein, Ihnen beim naechsten Mal von eben diesem Wochenende berichten zu duerfen, fuer heute wuensche ich Ihnen allen eine angenehme und erfolgreiche Rest-Woche und verbleibe mit besten Gruessen aus dem Steak-Hauptquartier der NATO!

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